Um detaillierte Hintergrundinformationen über das Verhalten ihrer Versicherten auf dem Arbeitsweg zu
erhalten, wurde von der UK PT eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben.
Gemeinsam mit der Universität Duisburg/Essen (Prof. Dr. Hans-Peter Musahl und Martin Lukas) wurden die
entsprechenden Daten erhoben und ausgewertet. Die Ergebnisse fanden Eingang in die Präventionsarbeit
der Unfallkasse.
Aus den bei einer Fragebogenaktion gewonnen Daten über die Arbeitswege der Versicherten konnten
bestimmte Rahmenbedingungen abgeleitet werden, die das Unfallrisiko auf dem Arbeitsweg erhöhen.
Doch Achtung! Diese Risikofaktoren lassen sich nicht verallgemeinern. Jeder von uns ist speziellen,
nur für ihn gültigen Bedingungen unterworfen. Deshalb ist es wichtig, die aus diesen Rahmenbedingungen
entstehenden individuellen Risiken besser kennen zu lernen, sich diese bewusst zu machen und wenn
möglich zu vermeiden. Ein Instrument, um diese Risiken zu veranschaulichen, ist der
Arbeitswege-Risiko-Check
(Farbige Version; Kopiervorlage; Erläuterungen).
Hier können Sie die für Sie speziell zutreffenden Bedingungen ankreuzen. Treffen auf Sie viele der
Rahmenbedingungen zu, die im orangefarbenen bis roten Bereich liegen, so haben Sie ein relativ hohes
Unfallrisiko auf Ihrem Arbeitsweg und sollten prüfen, ob die Möglichkeit besteht, auf weniger
unfallträchtige Verkehrsmittel, Straßenarten oder Tageszeiten auszuweichen.
Lange Arbeitswege bedingen eine lange Verweildauer im Straßenverkehr und damit schon ein höheres
Unfallrisiko.
Doch auch extrem kurze Wege unter 5 km Länge bergen große Risiken. Das hat einmal damit zu tun,
dass auf kurzen Wegen Verkehrsmittel und Straßenarten genutzt werden, die stärker risikobehaftet
sind (mehr dazu bei den entsprechenden Rahmenbedingungen). Doch auch ein anderer Effekt spielt hierbei
eine Rolle: gerade den kurzen und sehr vertrauten Wegen wird, wie jeder routinierten Tätigkeit, wenig
Aufmerksamkeit geschenkt - und auch damit steigt das Unfallrisiko.
Junge Menschen unter 25 Jahren haben ein extrem hohes Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken.
Dies liegt einmal an der mangelnden Fahrpraxis, aber auch an einer Überschätzung der eigenen
Fahrkompetenz. Soziale Zwänge und Gruppendruck begünstigen außerdem die Provokation von
Grenzsituationen und Regelüberschreitungen.
Doch auch ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko im Straßenverkehr zu verunglücken wieder geringfügig
an. Verminderte Reaktionszeiten, eingeschränkte Beweglichkeit und Wahrnehmungsprobleme auch durch
die Einnahme von Medikamenten werden hier als Gründe aufgeführt.
Zusatzaufgaben, die wir auf dem Weg von und zur Arbeit erledigen, belasten uns, auch wenn wir es
eigentlich gar nicht bemerken. Zeitdruck und Stress machen uns unaufmerksam und erhöhen so das
Unfallrisiko.
Besonders Frauen nutzen ihre Arbeitswege für eine Vielzahl anderer Erledigungen, die sich aus ihren
familiären Verpflichtungen ergeben (Kinder abholen, einkaufen, etc.).
Zu Fuß gehen scheint die gefährlichste Tätigkeit überhaupt zu sein. Diese "fertigkeitsbasierte"
Handlung erledigen wir routiniert, also ohne darüber nachzudenken und ohne besondere
Aufmerksamkeit - und schon sind Sturz- und Stolperunfälle vorprogrammiert.
Interessant sind die Unterschiede bei Männern und Frauen. Hier gibt es keine wissenschaftlich
fundierten Ergebnisse über die Ursachen, aber folgende Vermutungen:
Frauen haben eine höhere Schrittfrequenz und tragen oft ungeeigneteres Schuhwerk.
Ähnliches gilt für das Fahrradfahren:
Männer sehen das Fahrrad als Sportgerät, während Frauen es eher als Gerät zur Fortbewegung betrachten.
Die meisten Unfälle mit Personenschaden werden im Stadtverkehr registriert, dicht gefolgt von den
Landstraßen. Autobahnen sind eher sichere Verkehrsstraßen.
Während die Gefahren auf Autobahnen oft mit der Unterschätzung der gefahrenen Geschwindigkeit
zusammenhängen, kommen auf der Landstraße Gegenverkehr, verschmutzte Fahrbahnen und Behinderungen
durch landwirtschaftliche Fahrzeuge als Gefahrenquellen hinzu.
In der Stadt stellen die stark voneinander abweichenden Geschwindigkeiten der unterschiedlichen
Verkehrsteilnehmer sowie Einmündungen, Ausfahrten und Spurwechsel Gefahrenquellen dar.
Neben den klassischen Hauptverkehrszeiten, in denen viele Unfälle verursacht werden, kommt es vor
allem bei relativ leeren Straßen und bei Dunkelheit ungewöhnlich häufig zu Unfällen.
Während bei hoher Verkehrsdichte das Vorsorgeverhalten intensiviert wird und damit die Aufmerksamkeit
steigt, sinkt bei geringer Verkehrsdichte die Aufmerksamkeit und damit steigt das Unfallrisiko.
Auch bei Dunkelheit kann man ein reduziertes Vorsorgeverhalten beobachten. Gründe hierfür sind neben
der geringen Verkehrsdichte auch ein schlechteres Erkennen von Gegenständen durch Reizarmut und der
daraus resultierende Trugschluss: "Was ich nicht sehe, das gibt es auch nicht". Müdigkeit ist ein
weiterer Faktor, der das Unfallrisiko bei Dunkelheit nach oben treibt.